Ich kenne keinen Mann, dem es nicht gefallen würde, mehrere Frauen zu haben. Der Unterschied ist: die einen leben das aus, die anderen tun das nicht.

Und ich kenne keine Frau, der es nicht weh tut, wenn er noch andere Frauen neben ihr hat. Der Unterschied ist: die einen werten die Frauen ab, die anderen tun das nicht.

Ich habe beide Seiten in meinem Liebesleben erlebt. Einmal war ich die langjährige Partnerin und mein Freund hatte – nicht nur eine Frau – neben mir und allesamt waren sie „nicht so kompliziert wie ich“, wie er es nannte.

Das war am Ende unserer langjährigen Beziehung. Es war die Zeit, in der uns beiden klar wurde, dass wir nicht mehr miteinander konnten und eben auch nicht ohne einander. Der Unterschied hier wiederum war, dass ich darauf hoffte, dass wir das Miteinander wieder hinbekommen, während er einen Weg suchte, das Ohneeinander zu schaffen. Da waren Affären-Frauen ein hilfreicher Weg, konnte er sich damit immer wieder zeigen, was er bei mir vermisste und was er eigentlich gerne leben wollte.

Ich selbst ritt mich unterdessen immer tiefer in die selbsterschaffene Schmerz-Hölle – wie ich es damals nannte – da ich mich andauernd mit den anderen Frauen verglich, natürlich ewig schlechter abschnitt, ihn kontrollierte, zu jeder Tages- und Nachtzeit heimlich bei ihm vorbeifuhr und heimlich bei ihr vorbeifuhr. Oft war ich „erfolgreich“ und sah sein Auto bei ihr oder ihr Auto bei ihm und rammte mir damit jedes Mal selbst einen Pfeil ins Herz und lag stundenlang wach oder konnte mich auf mein Staatsexamen mal so was von gar nicht konzentrieren.

Irgendwann war ich so leer, dass ich einfach nicht mehr konnte und in eine andere Stadt zog. Ich wollte da weg, das alles nicht mehr mitansehen. Wir waren zu der Zeit quasi Nachbarn, unsere Beziehung war tatsächlich vorbei und er war in einer neuen Beziehung und die Frau zog nach schon einem Jahr bei ihm ein. Das hatten wir nach 10 Jahren nicht geschafft.

Die Kapitel, die ich danach in meinem Liebesleben schrieb, erlebte ich aus der Perspektive „Die andere“ zu sein. Ich war die Affäre. Die Männer, die ich traf, waren alle auf ihre Weise nicht frei und entschieden sich nicht wirklich für mich. Entweder war da noch die Ex oder sie hatten sich noch nie wirklich eingelassen und immer Affären gehabt.

Und auch diese Kapitel waren in erster Linie alle sehr schmerzhaft, eben weil da immer noch andere Frauen „im Spiel“ waren und ich es mir durch das ständige Vergleichen möglich gemacht habe, mich bis in die Katakomben abzuwerten. Sie waren besser, schöner, schlanker, intelligenter, attraktiver und was nicht alles als ich. Ich selbst kam so richtig schlecht vor mir selbst weg und das tat natürlich hölle weh.

Bis ich dann die „Show-Down-Affäre“ einging. Der Beginn dieser Affäre läutete das Ende meiner Affären-Zeit ein und sorgte für einen ganz neuen Blick auf mich selbst und bescherte mir eine Erfahrung, die mein gesamtes Männer-Frauen-Selbst-Bild auf den Kopf stellte.

Noch nie zuvor fühlte ich mich Frauen so verbunden, wie in der Zeit und während des Endes dieser Affäre. Noch nie zuvor hatte ich das Gefühl von Sisterhood in mir. Noch nie zuvor spürte ich eine so starke Herzverbindung zu Frauen.

Es war ein Mann, der mir echt gut gefiel. Wir lernten uns in einer Kneipe kennen, küssten uns das erste Mal ein paar Monate später auf einer Party in derselben Kneipe. Da erfuhr ich von ihm, dass er 20 Jahre verheiratet war, die Ehe nix mehr war und er da raus wollte.

„Sch…“, dachte ich, das wollte ich doch nicht mehr, einen, der nicht frei war. Und gleichzeitig hoffte ich, die zu sein, die ihn aus seiner abgegrasten Ehe erlösen konnte.

Ich dachte wirklich für einen Moment, dass er mit mir und ich mit ihm etwas Neues beginne. Neu für ihn, seine Ehe zu beenden. Neu für mich, dass da jemand war, der sich auf mich einlies.

Oh, oh, oh, was für ein Irrtum.

Rückblickend war diese Affäre vielmehr dafür da, mich so richtig fett spüren zu lassen, was ich echt nicht mehr leben wollte, so sehr toppte sie alle Affären zuvor, die ich erlebt hatte.

Er war bei mir, lag da nackt in meinem Bett und ich hörte noch einen Frauennamen und noch einen und noch einen. Und ich dann so: „Ähhm, Petra, Svenja, Katja, Karin, Nicole? (*Namen sind geändert 😉 ) Ich stand da vor ihm. ??? Zählte an meinen Fingern die Frauennamen ab. „Das sind jetzt schon 5!?“ Und sah, wie er stolz in sich hineinlächelte. „Wow, das ist ja mal eine logistische Herausforderung!?“, war das einzige, was mir dazu einfiel. Sein stolzes Grinsen wurde noch breiter. „Mit mir dann 6“, sagte ich noch. Noch breiter wurde sein stolzes Grinsen.

Und ich blieb eine ganze Weile Nummer 6. Wahrscheinlich gab es in der Zeit noch Nummer 7,8 und 9 oder so. Das ist nur eine Vermutung. Doch diesmal geschah etwas ganz anderes für mich in dieser Affäre. Eben nicht nur Schmerz. Der war zwar auch da, doch was ganz neu war, war dieses Mitgefühl für die anderen Frauen.

Jedes Mal, wenn er bei mir war, dachte ich, wie sch… das jetzt für die und die und die ist. Und für seine Ehefrau erst, zu der er ja immer nur zum Trost ging und weil es so schön vertraut da war. Dieser Klassiker vom ruhigen sicheren Hafen halt. Auch war mir klar, dass er über mich den anderen Frauen gegenüber mit Sicherheit genauso schlecht redete, wie er mir gegenüber über die anderen Frauen sprach.

Eine von ihnen war seit 8 Jahren seine Affäre. Seit 8 Jahren kämpfte sie darum, dass er sich für sie entschied. Oh man, wie gruselig, sich das anzutun. Ich traf sie mal mit ihm und das Leid war ihr echt ins Gesicht geschrieben. „Warum nur tust du dir das an?“, dachte ich.

Und dann kam die Zeit, wo ich nicht mehr einfach nur denken wollte. Ich sah ihn, wie er sich sein Bäuchlein pinselte und sein Ego polierte auf Kosten der Gefühle der Frauen, die er mit seiner Charming Masche immer wieder einwickelte. Das konnte er echt gut. Doch es war auch durchschaubar bei näherem Hinsehen. Nur musstest du schon sehr genau hinsehen. Naja, und da hast du als hypervigilante Person natürlich einen immensen Vorteil und kannst das für dich erkennen, was echt ist und was Methode.

Jedenfalls war irgendwann Schluss bei mir. Ich war nicht mehr bereit, seine Geheimnisträgerin zu sein. Und falls du schon mal in ähnlicher Situation warst oder gerade bist, schau mal genau hin, was da läuft. Erzählt er dir intime Details? Vertraut er dir Dinge an, die angeblich nur du wissen darfst? Bittet er dich darum, unbedingt Stillschweigen zu wahren über das, was er dir erzählt hat? Wenn ja, wie wirkt das auf dich? Löst das bei dir aus, eine wichtige vertrauenswürdige Person für ihn zu sein? Stellt dich das in der Rangfolge der Frauen an erste Stelle? Machst du dir deswegen Hoffnungen, ihm wirklich wichtig zu sein?

Obacht, sage ich dir da. Was da in Wirklichkeit geschieht ist, dass du zulässt, seine Geheimnisträgerin zu sein. Und dann trägst du die Energie der Konspiration auf deinen Schultern. Du machst dich zu seiner Verbündeten GEGEN die andere Frauen, unter dem Vorbehalt doch eine ihm so wichtige und vertraute Person zu sein.

Willst du das?

Als mir das klar wurde, wurde mir ebenso klar, dass ich das auf gar keinen Fall will. Es gab ja auch nie die Frage: Darf ich dir was anvertrauen? Mir wurde einfach anvertraut, mit dem Nachsatz: Erzähle das aber bitte niemandem! Ich wusste dann, was andere nicht wissen durften und stand da mit den Geheimnissen.

Das war das eine. Doch das andere war, dass Inhalt dieser Geheimnisse die anderen Frauen waren, die allesamt echt schlecht wegkamen. Da war dann die eine, mit der nur noch aus Bedürfnisbefriedigung geschlafen wurde. Die andere, die ja echt psycho war. Dann wieder eine, die zwar ein ganz lieber Mensch war, ja aber halt eben nur ein Kumpel. Gut, ja, mit der auch ins Bett gegangen wurde, weil auch so vertraut. Na und ganz besonders geschimpft wurde über die Ehefrau, die ja mittlerweile richtig zum Kotzen war, dass die da immer so rumgejammert hat, ihn nicht verlieren zu wollen.

Und das alles wusste ich, nicht die anderen Frauen. Und das – und für die Erfahrung bin ich heute zutiefst dankbar – ging dann für mich gar nicht mehr. Für mich war klar, das nicht tragen zu wollen und so schrieb ich die Frauen an und lies sie wissen, wer ich war und fragte sie, ob sie wissen wollen, wie er über sie spricht.

Hohoho, da war natürlich war los. „Wie konnte ich es wagen?“, schrie er mich an. „Jaaa“, sagte ich, „das gefällt dir jetzt nicht, das glaub ich dir gern.“

Die Frauen wollten es aus verschiedenen Gründen nicht wissen. Eine schrieb zurück, dass sie gerade genug Wahrheiten erfährt, die ihr zu schaffen machten und jetzt nicht noch mehr hören wollte. Die andere schrieb zurück, dass da wohl eine Verwechslung vorliegen müsse. Den anderen Frauen hatte ich nicht geschrieben, weil ich da keine Kontaktdaten hatte.

Und für mich war es das Heilsamste, was ich in Zeiten meines Affären-Liebeslebens tun und erleben konnte – mich den Frauen verbunden zu fühlen und mich nicht GEGEN sie zu wenden.

Egal aus welcher Perspektive du erlebst, dass Mann mehrere Frauen hat, die Betrogenen sind ALLE Frauen. Bist du die Ehefrau, wirst du betrogen, wenn er bei ihr ist. Bist du die Affäre, wirst du betrogen, wenn er bei seiner Frau ist. Ich habe es aus beiden Perspektiven erlebt und das Schmerzhafteste war, mich mit dem Mann gegen die anderen Frauen zu verbünden.

Doch das ist es, was leider die meisten Frauen tun, wenn sie in ein solches Dreieck geraten oder auch Siebeneck, wie diese letzte Affäre bei mir. Die andere Frau ist dann schuld, dass die Ehe nicht mehr läuft oder die Ehefrau ist schuld, dass er sich nicht für dich entschieden hat. Und obwohl er dich und die andere Frau mit ganz großer Wahrscheinlichkeit angelogen hat, hältst du zu ihm. Und an dieser Stelle will ich dir nicht sagen, dass du dich gegen ihn wenden sollst. Das wäre das Gleiche in Grün. Die Frage, die ich dir mitgeben will, ist:

Willst du dich für ihn und gegen die andere Frau zu seiner Geheimnisträgerin machen und dich mit dem Unheilsamsten was es meiner Meinung nach gibt belasten – mit der Unwahrheit? Und es ihm dann ermöglichen, auf deine Kosten den für sich irgendwie gangbaren Weg zu finden?

Beachte dabei bitte noch eins:

Wenn du dich entscheidest, nicht mehr Geheimnisträgerin zu sein, dann gehe fürsorglich mit der Wahrheit um. Heißt, frage die betreffenden Frauen vorher, ob sie das wissen wollen. Denn wenn eine Frau betrogen wird und nichts davon weiß, dann ist sie eh schon nicht in der Situation, frei entscheiden zu können, eben weil sie nicht weiß, was wirklich abläuft. Wenn du ihr dann die Wahrheit einfach dahinknallst, dann kann sie wieder nicht frei entscheiden. Also frage sie vorher bitte unbedingt und respektiere, wenn sie Nein sagt.

Herzlichst

 

 

Jivana Lohr

Coach für The Work of Byron Katie

Spirituelle Trainerin

Gründerin von Liebe lernen