Darum ist es so wichtig, deine Gefühle zu fühlen

von | Mrz 10, 2021 | Allgemein | 8 Kommentare

Darum ist es so wichtig, deine Gefühle zu fühlen

In meinem letzten Blogartikel über das Thema Glaubenssätze hatte ich davon gesprochen, dass Glaubenssätze Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen in unserer Kindheit sind. Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass diese Schlussfolgerungen aus Gefühlen entstehen, die wir damals gespürt haben.

Wenn wir als Kinder oft Zurückweisung gefühlt haben, denken wir später von uns, nicht liebenswert zu sein. Denn wären wir es wert, geliebt zu werden, würde man uns ja nicht zurückweisen, so die Schlussfolgerung. Aus dem Gefühl der Zurückweisung wird also der Gedanke “Ich bin nicht liebenswert”. So entstehen Glaubenssätze in der Kindheit.

Gefühle und auch die Atmosphäre, die uns umgibt, spüren wir bereits im Mutterleib, also noch vor der Geburt. Ebenso als Säugling und als Kleinkinder.

Wenn wir da Vernachlässigung erfahren haben und die Beziehungsgestaltung unserer Bezugspersonen unsicher war, nehmen wir das auf sehr intensive Weise wahr. Diese Gefühle werden in uns abgespeichert und später im Erwachsenenalter in Situationen wieder aktiviert, die den Situationen aus der Kindheit ähnlich sind.

Allen Glaubenssätzen gehen also Gefühle voraus. Habe ich mich als Kind umsorgt, beschützt und geliebt gefühlt, nehme ich mich und die Welt als freundlich war und mein Denken ist wohlgesonnen. Habe ich mich vernachlässigt, alleingelassen und abgelehnt gefühlt, passiert das Gegenteil.

Es liegt in der Natur des Menschen, Schmerz zu vermeiden und Lust zu gewinnen. So ist es mehr als verständlich, dass wir unangenehme Gefühle nicht fühlen und angenehme verstärken wollen. Da wir Gefühle stärker wahrnehmen als Gedanken, lassen wir im Erwachsenenalter die negativen Gedanken über uns zu und versuchen die unangenehmen Gefühle zu unterdrücken.

Das funktioniert leider nicht, denn Gedanken lösen auch wieder Gefühle aus. Unsere Gedanken und Gefühle bewirken dann, dass wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten. Unser Verhalten führt wiederum zu den Ergebnissen, die wir in unserem Leben vorfinden.

Ein Beispiel:

Ein Kind hat von seinen Eltern ständig hören müssen, dass es zu laut ist und auf sein Zimmer soll. Ohne es in Worte fassen zu können, hat es sich abgelehnt gefühlt. Aus dem Gefühl der Ablehnung, ist dann ein Gefühl des „Mit mir stimmt was nicht“ geworden. Da das Kind die Liebe seiner Eltern braucht, fing es an, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Es war z.B. brav und hat sich angepasst und dabei die Erfahrung gemacht, keine Schimpfe zu bekommen. So hat es gelernt, dass es etwas dafür tun kann und muss, um geliebt zu werden. Um seiner selbst willen geliebt zu werden, hat es dabei verlernt.

Vielleicht kennst du diesen Satz von dir auch: „Ich habe ständig das Gefühl, mit mir stimmt was nicht, ich bin falsch.“ Das ist es dann, was wir als Erwachsene sagen, wenn wir als Kind diese Erfahrungen gemacht haben.

Nun begegnest du einem Mann. Ihr fangt was miteinander an. Kurz darauf distanziert er sich wieder von dir, ohne dass du weißt warum. Er spricht nicht mit dir darüber und erklärt es dir nicht. Das alte Gefühl des Abgelehnt sein wird nun wieder geweckt. Und damit auch die Schlussfolgerung von damals, dass es an dir liegt.

Du fühlst die Ablehnung und denkst, mit dir stimmt etwas nicht. Auf der bewussten Ebene weißt du genau, dass dir das nicht guttut, was du mit dem Mann erlebst. Doch die Gefühle und Glaubenssätze von damals sind viel stärker. Und so triffst du dich wieder mit ihm als er sich nach einer Weile wieder meldet und dich sehen will. Du weißt, es ist besser “Nein” zu sagen und auf das Treffen zu verzichten. Doch du tust es, weil du hoffst, ihn doch für dich gewinnen zu können. So wie damals als du gelernt hast, dass du Zuwendung von deinen Eltern bekommst, wenn du machst, was sie sagen.

Wir haben also:

  • das Gefühl der Ablehnung,
  • die Schlussfolgerung, es liegt an mir,
  • das Verhalten, dich wieder mit ihm zu treffen
  • und das Ergebnis, dass du in Kontakt mit einem Mann bleibst, obwohl du weißt, dass es dir nicht guttut.

Oft machen wir uns anschließend noch Vorwürfe und sagen: „Das ich immer wieder auf denselben Typ Mann reinfalle. Ich werde es nie lernen. Was stimmt nur mit mir nicht!?“

Das macht es nicht besser, wenn wir uns für unser Verhalten auch noch selbst verurteilen. Im Gegenteil, das macht es noch schlimmer. Denn auch mit diesen Selbstvorwürfen halten wir die alten Erfahrungen aus der Kindheit aufrecht: Auch als Kind war es nie genug, was du tun konntest, damit Mama und Papa dich lieben so wie du bist.

Dein Verhalten, dich mit dem Mann doch wieder zu treffen, ist der Versuch, die Gefühle von damals nicht spüren zu müssen. Du hoffst unbewusst, dich nicht wieder abgelehnt fühlen. Oder andersherum hoffst du, dass er dich dann doch liebt.

Das funktioniert leider nicht. Denn die Gefühle von damals sind noch immer in dir. Sie sind tief in dir abgespeichert und sie gehen nicht weg, dadurch, dass du sie nicht fühlen willst. Vielmehr sind sie dann wie wilde Tiere in dir. Ein wildes Tier, das eingesperrt ist, wird nicht dadurch zahm, dass es eingesperrt bleibt. Wenn du es zähmen willst, musst du dich mit ihm beschäftigen und es aus dem Käfig holen.

So ist es auch mit deinen Gefühlen. Sie wollen gefühlt werden. Sie wollen, dass du dich mit ihnen beschäftigst. Deshalb ist das Sinnbild „Inneres Kind“ für unsere Gefühle aus der Kindheit auch so sinnvoll. Wenn du traurig bist oder Angst hast, den Mann ganz zu verlieren, stelle dir deine Traurigkeit und deine Angst als ein kleines Mädchen vor, das deinen Trost braucht. Wenn du das tust, wendest du dich deinen Gefühlen zu. Der nächste Schritt ist dann, sie bewusst zu fühlen.

Damit durchbrichst du die Kette aus Gedanken => Gefühle => Verhalten => Ergebnis.  Wenn du dir erlaubst, das Gefühl der Ablehnung in dir zu spüren, ihm Raum gibst und es liebevoll annimmst, wird sich etwas verändern. Die Emotionen, die du dann spürst, bringen etwas in Bewegung in dir. Vielleicht steigt da Traurigkeit, Angst, Wut oder Hilflosigkeit in dir auf. Und das ist gut so. Das sind die alten Gefühle von damals, denen du jetzt ganz bewusst erlaubst, da zu sein. Denn in dir sind sie ja eh schon.

Es ist ein bisschen wie auf dem Titelbild dieses Artikels. In der Mitte das Dunkle sind deine Gefühle. Sagen wir, es ist die geballte Ladung des Gefühls der Ablehnung. Um das Dunkle herum ist dein Körper. Du erlaubst den Gefühlen sich in deinem Körper auszubreiten. Du gibst ihnen Raum in deinem Körper. Dann langsam löst sich der dunkle Klumpen auf und verflüchtigt sich mehr und mehr. Du selbst bist dadurch immer mehr in der Lage, mit deinen Gefühlen zu sein. Du verlierst die Angst und das Unbehagen vor deinen Gefühlen und machst die Erfahrung, dass es unangenehme Gefühle gar nicht gibt. Gefühle sind Bewegungen im Körper, mehr nicht. Ob sie angenehm oder unangenehm sind, ist eine Bewertung unseres Verstandes.

Nun hast du nicht mehr die geballte Ladung an Gefühl der Ablehnung in dir. Dadurch verändert sich deine Wahrnehmung im Hier und Jetzt. Du musst aus dem Verhalten des anderen nicht mehr schlussfolgern, dass es an dir liegt, dass er sich distanziert.

Deine Gedanken bekommen kein Feuer mehr durch die Gefühle. Dadurch, dass du nicht mehr denkst, es liegt an dir, mit dir ist etwas falsch, feuerst du nicht mehr die Gefühle an. Dadurch beginnst du, dich anders zu verhalten.

Das könnte so aussehen, dass du dich erst wieder mit dem Mann triffst, wenn er dir sagt, wie er zu dir steht. Es könnte sein, dass du ihm ganz klar sagst, dass du nicht eine Frau bist, mit der man mal ins Bett hüpfen kann und dann wieder abhaut. Du spürst mehr deinen Wert und trittst für dich ein. Das passiert, wenn wir uns erlauben, unsere Gefühle zu fühlen. Darum ist es so wichtig, sie bewusst zu spüren – sie sind das Tor zu deiner emotionalen Freiheit.

Wenn du noch nicht darin geübt bist, deine Gefühle von damals zuzulassen, empfehle ich dir unbedingt, dich dabei unterstützen zu lassen. Es ist dann viel einfacher bzw. überhaupt erst möglich.

In meiner neuen Podcast Folge greife ich das Thema Gefühle nochmal auf. Es gibt noch so viel dazu zu sagen. Doch an dieser Stelle vorab meine Frage an dich:

Macht das Sinn für dich, was du hier in meinem Artikel über Gefühle fühlen liest?

Schreibe mir gerne, was dir dazu einfällt. Vielleicht hast du auch noch Fragen.

So oder so, ich freue mich auf deinen Kommentar.

Herzliche Grüße

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